
Überschrift: 2. Clubstammstrecke jetzt!
Warum müssen immer wieder Clubs schließen, während das Oktoberfest bereits über 200 Jahre alt ist und vermutlich noch lange weiterleben wird? Warum hört man nachts keine Bässe mehr, während gigantische Bauprojekte wie die Arroganz-Arena oder Tech-Firmen in die Höhe wachsen? Warum schwindet Club Kultur dahin, während Helene Fischer und Andreas Gabalier in Messehallen Mega-Konzerte geben?
Die Antwort ist einfach und betrifft alle subkulturellen Orte, von denen wir in den letzten Jahren Abschied nehmen mussten. Sie waren das, was München – nein, ganz Bayern – verachtet. Sie waren Kultur für diejenigen, die weniger verdienen.
München, die goldverchromte Champagnermetropole an der Isar, sieht in dir eben nur Wert, wenn du etwas von Wert schaffst.
Und Nein, ich spreche nicht von kulturellem, kreativem oder sozialem Wert, sondern von Geld, Geld, Geld.
Ja, Baby, neue Runde, einsteigen, ab geht die Fahrt! Solange die Kasse klingelt, ist es völlig in Ordnung, mittags um zwölf Uhr vollgekotzte U-Bahnen fahren zu lassen. Dann werden stadtweit Kampagnen finanziert, dass Frauen auch besoffen nicht sexuell belästigt werden dürfen. Progressiv, oder?
Mit genügend Geld können auch hupende Autokorsos durch die Straßen fahren, und der ganze Marienplatz darf von einem Soundsystem mit einer Lautstärke weit über 85 Dezibel beschallt werden.
Dann hat aber auch irgendein Millionär genügend Tore für einen korrupten kapitalistischen Männerverein geschossen und tausende Mitbürgerinnen outen sich völlig ironiefrei als Schlagerfans.
Aber hey, wir haben nun mal zwei große Fans dieser Volks-Kultur hier in München. Dieter Reiter und Markus Söder. Sie, die Alphamänner der Kultur, dürfen Bierfässer anschlagen, Trikots verkehrtherum tragen und sich als Retter der Kultur stilisieren, indem sie Konzerte für 100.000 Menschen ermöglichen – natürlich über einen korrupten Großveranstalter – oder das 17. klassische Konzerthaus für München planen. Aber hey, das machen die alle für uns, für München!
Doch was die beiden, Reiter und Söder, gerade kulturell und finanziell vollkommen außer Acht lassen, ist die Chance, die sich aus der 2. Stammstrecke für München ergibt.
Wenn eine Stadt Geld verbrennt, dann ist es definitiv München! Wenn wir schon Milliarden verprassen, dann machen wir das mit Stil! Hamburg und Stuttgart, die Anfänger haben bereits bei einem Milliardengrab nachgegeben und geächzt. Aber wir, das reiche und geldige München, haben das eine Gasteig-Millionengrab, das uns völlig ironiefrei als „größte subkulturelle Zwischennutzung“ verkauft wird UND wir haben das zweite Milliardengrab – die 2. Stammstrecke!
Wir fordern Söder und Reiter auf, endlich vollkommen enthemmt und konsequent Geld zu verprassen und den Bau der 2. Stammstrecke einfach mittendrinnen zu stoppen.
Stattdessen sollten sie der Subkultur den gesamten Münchner Tunnel überlassen! Wir fordern die zweite Club-Stammstrecke jetzt! Die erste, zweite Rave Stammstrecke Europas.
Während oben ungehemmt und unreflektiert in Plastiklederhosen zu Gabalier und Robbie Williams Discofox getanzt werden kann und im Gasteig nur noch die Hipster- Event- Gastronomie florieren darf, begeben wir uns endlich dorthin, wo wir sowieso bald landen – in den Untergrund!
Und für all jene hier, die das nicht wollen – wir empfehlen folgendes Gesamtpaket, dass ihr bei uns abholen könnt: Polyester Dirndl und Bade-Lederhosen, eine Jahreskarte für den FC Bayern und einen 5% Gutschein auf die gesamte Diskographie von Andreas Gabalier und Helene Fischer. Mit der Ausstattung könnt ihr dann inkognito weiterhin an der Oberfläche Krach machen – aber nur im Dreiviertel Takt bitte!